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Konzeptionelle Grundlage für die erlebnispädagogische Arbeit im Kinderheim Stein

  1. Definition, Ziele und Aufgaben

Die Erlebnispädagogische Arbeit soll einem weitestgehend naturorientierten Ansatz folgen. Zur Umsetzung dienen outdoorspezifische, sportliche, sinnhafte und meditative Medien. Im Freizeitbereich stehen handwerkliche, bastlerische und medienpädagogische Betätigungen im Mittelpunkt.

Der erlebnispädagogische Anteil definiert sich demnach wie folgt:

Erlebnispädagogik ist der geplante und zielgerichtete Umgang mit Kindern und Jugendlichen, wobei das Erleben des Selbst, der Stärken, Schwächen, Vorlieben und Abneigungen, das Erleben des Anderen und das Erleben der Natur in ihrer Schönheit, Herausforderung und Ausgeglichenheit, sowie die Kommunikation zwischen diesen drei Elementen im Mittelpunkt stehen.

Der freizeitpädagogische Anteil soll folgender Definition folgen:

Freizeitpädagogik gibt in pädagogischer Weise Anleitung und Orientierung zur sinnvollen Gestaltung freier Zeit und soll gegebenenfalls Anregen, bisherige Freizeitgestaltung zu überdenken.

 

Beide Ansätze enthalten das Ziel zur selbständigen Gestaltung der Lebensweise und der Freizeit zu befähigen.

 

Als allgemeine Ziele der Erlebnis- und Freizeitpädagogik gelten:

Erlangen von Eigen- und Fremdverantwortung
Förderung von Eigeninitiative, Kreativität und Selbstvertrauen
Steigerung des Selbstwertgefühls und Aufbau eines realistischen Selbstbildes
Aufbau und Erhaltung von Werten
Entwicklung bewusster Eigen- und Umweltwahrnehmung
Entwicklung von Frustrationstoleranz
Aufbau sozialer Kompetenzen
Vermittlung von Selbstwirksamkeitserfahrungen
Förderung des Umweltbewusstseins
Vermittlung handwerklicher Fertigkeiten
Gestaltung ansprechender und erfüllender Freizeitaktivitäten

Für spezielle / personenbezogene fördernde, präventive oder korrektive Maßnahmen werden Einzelziele verfasst. 

 

  1. Wirkungsmodelle

Als theoretische Grundlagen für die Umsetzung der genannten Ziele dienen die im folgenden vorgestellten Wirkungsmodelle der Erlebnispädagogik, wobei einige nur als Grundvorstellung genutzt werden, andere, insbesondere das Wirkungsmodell der Erlebnisbegleitung, als Hauptorientierung bei der Wahl von Medien und Methoden genutzt werden:

The Mountains speak for themselfves

Die Berge sind stille Meister - Grundannahme dieses Modells ist, dass Transfer automatisch geschieht, wobei das Eingehen von Wagnis ein wesentlicher Teil dieses Ansatzes darstellt. Die Anforderungen an die Anleiter beschränken sich im wesentlichen auf die Aufrechterhaltung der körperlichen Sicherheit, und der Schaffung von Raum und Zeit für Erfahrungen. Besonders bei längerfristigen Unternehmungen kommt dieses Wirkungsmodell ergänzend zum Tragen, da auf Grund der zeitlichen Länge eine relativ hohe Chance für die Teilnehmer besteht, Schlüsselerlebnisse zu erfahren.

 

Das Outward Bound Plus Modell

Das Outward Bound Plus Modell entwuchs den frühen Schulen Kurt Hahns Es versteht sich als nicht-autoritäre Lehrmethode und macht es sich zur Aufgabe die Teilnehmer erlebnispädagogischer Kurse einer Aneinanderreihung von Situationen auszusetzen, die es ihnen erlauben sollen, aus Erfahrungen zu lernen.

Im Rahmen alpiner, nautischer und outdoor-spezifischer Aktivitäten durchleben die Teilnehmer Höhen und Tiefen, einen ständigen Wechsel von Phasen intensiver Anstrengung und Phasen der Reflexion, in denen der eigentliche Transfer über verschiedene Reflexionstechniken geleistet werden soll. An dieser Stelle knüpft einer der zentralen Kritikpunkte innerhalb der erlebnispädagogischen Szene an: Aus dem Erfahrungslernen werde aufgrund der starken Gewichtung der Reflexion ein "Nach der Erfahrung Lernen". Auch wird vielerorts auf die Gefahr verwiesen, dass durch die Reflexion falsche Akzente gesetzt werden, Erfahrungen verzerrt oder vernachlässigt werden.

Als theoretischer Hintergrund dienen Verhaltenstherapie und lerntherapeutische Konzepte.

 

Das Metaphorische Modell nach Stephen Bacon

Stephen Bacon kombiniert in seinem Metaphorischen Modell das Outward Bound in seinen Rahmenbedingungen und Zielen mit der Archetypenlehre Jungs und dem Kommunikationsmodell des derivationalen Vergleichs.

Bezugnehmend auf das Outward Bound ist Bacon überzeugt, das dieses Modell schon von sich aus auf die Ressourcen der Metapher zurückgreift, da ja schon der Name an sich eine solche darstellt ("Outward Bound" ist ursprünglich ein Begriff aus der Seefahrt und beschreibt den Augenblick des Ankerlichtens, des Aufbruchs in das Ungewisse).

Die klassischen, stark am Behaviorismus orientierten Outward Bound Kurse jedoch schöpfen diese Ressourcen nicht aus, sondern knüpfen über die Reflexion zu sehr an der kognitiven Ebene des Menschen an. Viel wirksamer erachtet Bacon aber das Lernen auf der Ebene des Unbewussten durch Herausforderung der Teilnehmer über Probleme, die in ihrer Struktur Alltagsproblemen gleichen ( sogenannten "Metaphern").

Bacons Appell stützt sich auf die Überzeugung, dass der Mensch versucht, Erfahrungen und Problemlösungsstrategien unbewusst  auf die Normalwelt jenseits des Outward Bound zu übertragen. Dies setzt jedoch eine größtmögliche Strukturähnlichkeit  der Kurssituation mit der Alltagswelt der Teilnehmer voraus.

 

Das Modell der Erlebnisbegleitung

Das nun dargestellte Wirkungsmodell stellt eine Synthese der drei bekanntesten Wirkungsmodelle der Erlebnispädagogik mit eigenen Erfahrungen aus erlebnispädagogischen Betätigungsfeldern dar und versucht zwischen diesen zu vermitteln.
Der Entwicklungsstand der Teilnehmer, ihre Offenheit und Fähigkeit, Erlebnisse zu erfahren und zu verarbeiten, bestimmen dabei, inwiefern Methoden anderer pädagogischer Teildisziplinen, im besonderen aber des Outward Bound oder des Metaphorischen Modells hinzugezogen werden.

Der Ansatz der Erlebnisbegleitung geht im Grundsatz davon aus, dass Erlebnisse, an die Kinder, Jugendliche und Erwachsene herangeführt werden, von sich aus persönlichkeitsbildende Wirksamkeit entfalten, vorausgesetzt, diese nehmen sie wahr. Erste Aufgabe der Betreuer ist somit die Sensibilisierung der Wahrnehmung bei den Teilnehmern.

 

Das Kursprogramm von Wanderungen und Zeltlagern wird, bezugnehmend auf dieses Modell, nur in groben Zügen im Vorhinein geplant, der genaue Verlauf ergibt sich während der Kurse und ist somit flexibler als Programme des Outward Bound, so dass die Anleiter nicht in Zugzwang geraten, bestimmte Aktivitäten metaphorisch umdeuten zu müssen. Vielmehr suchen die Pädagoginnen und Pädagogen nach ansprechenden Aktivitäten und sensibilisieren sich für die Abenteuer und Herausforderungen, welche die Natur und Grundaktivitäten wie Wanderung, Zeltlager oder Kanutour reichhaltig bieten, die der Gruppe förderlich sind.

Besonders eingegangen werden soll auf Gruppeninitiativen. Kursteilnehmer "wissen" in der Regel selbst, welche Aktivitäten "gut für sie sind". Erst einmal aktiviert suchen besonders Kinder selbständig anreizende und herausfordernde Situationen; der ausgelassene, kindliche Spieltrieb ist der ideale Motivator der Erlebnispädagogik, muss nur je nach Klientel zu Beginn eines Kurses wiedererweckt werden.

 

Somit findet die Erlebnisbegleitung ihre Anwendung eher nicht in Kurzzeitprogrammen und nimmt seinen Verlauf für gewöhnlich in folgenden Phasen:

  1. Vorbereitung
    In der Vorbereitungsphase wird den Teilnehmern spezifisches Wissen vermittelt, das eine erfolgreiche Durchführung des Kursprogramms ermöglichen soll. Der Gruppenbildung soll hier ebenfalls Zeit und Raum gegeben werden.

    Gemeinsame Vorbereitung der Ausrüstungsgegenstände,  verdeutlicht den Teilnehmern, dass sie alle das gleiche Ziel haben, auf eine gemeinsame Reise hin arbeiten

  2. Anreise
  3. Grundaktivität

    Klassischerweise besteht die Grundaktivität in Zeltlagern, Wanderungen, Kanutouren, Radwanderungen oder Rundreisen in einem eigens dafür umgebauten Gelände-LKW. Die Dauer solcher Projekte liegen zwischen 7 und 40 Tagen.

    Zeltlager können unter ein Motto gestellt werden, wie z.B. "Formen im Raum", "Mittelalter" oder "Hunnen".

    In diese Grundaktivität werden Programmpunkte eingeflochten, die die Teilnehmer bestimmten Zielen näher bringen sollen, es werden aber auch flexibel die Möglichkeiten der Umgebung genutzt, wobei die schon Routenplanung einen Einfluss auf diese Möglichkeiten nehmen kann.

    Aktivitäten wie das Solo des Outward Bound (siehe Wirkungsmodelle), eine Expedition in Kleingruppen oder die sogenannte Feuernacht können einfließen.

  4. Abschluss

    Gegen Ende der Tour thematisieren die Anleiter den Abschied und bereiten die Teilnehmer darauf vor, im Heimalltag wieder eine andere Situation vorzufinden.

  5. Abschied

    Bei einer dem integrativen Ansatz folgenden Reise muss dem Abschied von externen Jugendlichen ein Raum gegeben werden.

  6. Nachbetreuung
    Während der Maßnahme erreichte oder angestrebte Ziele / Erfolge bedürfen einer geeigneten Nachbetreuung.

Nach einiger Zeit (für gewöhnlich Weihnachten) erhalten die Teilnehmer das Fahrtenbuch und werden so an die Tour erinnert.

 

Die Formulierung der Ziele orientiert sich an den allgemeinen Zielen der Erlebnispädagogik, den Zielen der Institution und den Bedürfnissen der Kursteilnehmer.

Der relativ offene Kursverlauf erlaubt es den Teilnehmern eher, diesen zu beeinflussen und kommt der Zielvorstellung Selbstwirksamkeitserfahrungen zu vermitteln entgegen, fordert vom Anleiter allerdings hohe Flexibilität.

Des weiteren bieten sich für die Teilnehmer die Personen der Anleiter vermehrt als Orientierungspunkt, da ein festes Programm wegfällt. Mit dieser Situation muss sensibel umgegangen werden, Abhängigkeiten sind zu vermeiden und auf die Möglichkeiten der Gruppe, den Verlauf zu beeinflussen, hingewiesen werden.

 

 

Qualifikation des Mitarbeiters:

Diplom - Sozialpädagoge mit langjähriger Erfahrung im Outdoorbereich sowie mit erlebnispädagogischen Medien, Roupes-Course Trainer, langjähriges Training im Chinesischen Kung Fu und Tai Chi,  regelmäßige private und dienstliche Fortbildungen, z.B. Erste Hilfe x-trem, Besuch mehrerer Wildnisschulen, Anti-Aggression / Coolness...

 

Zur Infrastruktur:

Neben dem Heimgelände wird der nahegelegene Kottenforst genutzt.
Im Rahmen der Kooperation zwischen AKO-PRO Seminar e.V. und dem Kinderheim Käthe Stein können teilweise auch die Einrichtungen der kooperierenden Institution (z.B. einmal wöchentlich eine gut eingerichtete Werkstatt) genutzt werden.